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Film & Foto Man Ray

Film & Foto Man Ray Potsdam
1987-1990


„Film & Foto Man Ray hofft […] weniger Beiträge für eine schon ohnehin trübe Medienlandschaft zu liefern, sondern wagt den Versuch, Möglichkeiten und Alternativen für das Experimentieren mit dem Medium Film zu zeigen.” (in: Arbeitsheft KOMA-KINO Nr. 5, 1989) Seit den späten 1970ern finden sich in der DDR Einzelakteure und Gruppen, die einen von staatlicher Kontrolle und Lenkung unabhängigen Film wollen. Sie stehen in Opposition zum Staat, zum kommerziellen Kino und offiziellen Fernsehen, zu DEFA-Filmen oder zum organisierten Amateurfilmschaffen. Andere sehen ihre Arbeiten als inhaltliche und formale Ergänzung. Gedreht wird meist auf Super 8.

Anders als beim offiziellen Amateurfilm bewegen sich die Filmemacher durch gesetzliche Vorschriften von vornherein auf strafbarem Feld. Eine restriktive Lizenz- und Zulassungspflicht regelt Produktion und öffentliche Vorführung von Filmen und nahezu keiner dieser Akteure erfüllt die Zulassungsbedingungen. In der Agonie der 1980er belassen es staatliche Organe jedoch zumeist bei Kontrolle und Überwachung. Auf Festivals der Hochschule der Bildenden Künste Dresden, in kirchlicher Obhut oder durch illegale private Vorführungen finden die Filme eine kleine Öffentlichkeit. Das von Thomas Werner ab 1987 in geringer Auflage und illegal herausgegebene Arbeitsheft KOMA-KINO verschafft künstlerischen Positionen des unabhängigen Films eine zumindest geringe Verbreitung.

Filmstill aus MAN SOLL DIE TOTEN SCHLAGEN, WENN SIE KALT SIND, 1987

In Potsdam formiert sich 1987 um Fayd Jungnickel, Alexander Schubert, Christin Bonke und Thomas Zickler die Produktionsgruppe Film & Foto „Man Ray“. Unschwer lassen ihre Filme surreale Einflüsse und andere filmische Ausdrucksformen der 1920er Jahre erkennen, thematisch geht es eher um Aktuelles wie „Vergangenheits-Gegenwartsauseinandersetzung“, gestalterisch um das Experiment mit dem Super 8-Format. Einige Protagonisten sind heute Filmprofis: Zickler ist erfolgreicher Filmproduzent (KEINOHRHASEN, KNOCKIN’ ON HEAVEN’S DOOR), Schubert Schauspieler und Comedy-Star (TWO FUNNY, HEUTE-SHOW) und Jungnickel macht Dokumentarfilme (GEFANGEN IM BITTERSEE, 20 X BRANDENBURG).


Filme (Auswahl)
MAN SOLL DIE TOTEN SCHLAGEN, WENN SIE KALT SIND, 1987
SELIG SIND DIE LIEBENDEN, 1988
SCOMBERMIX, 1988
DER BLAUE FILM, 1989
DOKUMENT 89, 1989
HASSE MA ‘ne Maak?, 1990


Literaturhinweise
Karin Fritzsche, Claus Löser (Hrsg.): Gegenbilder. Filmische Subversion in der DDR 1976–1989, Berlin 1996
Dieter Danies, Jeannette Stoschek (Hrsg.): Grauzone 8mm - Materialien zum autonomen Künstlerfilm in der DDR, Leipzig 2006
Claus Löser: Strategien der Verweigerung. Untersuchungen zum politisch-ästhetischen Gestus unangepasster filmischer Artikulationen in der Spätphase der DDR, Berlin 2011