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Eisenhüttenstadt

Der Ort

Auf dem III. Parteitag der SED (20.-24.7.1950) wurde der Bau eines Eisenhüttenkombinates und die Errichtung einer Wohnstadt beschlossen. Die Standortwahl fiel auf ein Geländegebiet unweit der seit dem 13. Jahrhundert bestehenden Oderstadt Fürstenberg.  Für die Arbeiterschaft des werdenden Industriegiganten wurde eine „Planstadt“ entworfen, die zur „ersten sozialistischen Stadt Deutschlands“ werden sollte. Heute ist ein großer Teil Eisenhüttenstadts ein Flächendenkmal. Wenige Wochen nach dem Tod Stalins (5.3.1953) erhielt die Wohnstadt den Namen Stalinstadt (7.5.1953). Im Zuge der Entstalinisierung kam es am 13. November 1961 zur Zusammenlegung mit Fürstenberg (Oder) und zur Umbenennung in Eisenhüttenstadt. Die zwischen 1950 und 1989 in der Stadt erfolgte Bautätigkeit widerspiegelt die gesamte Architektur- und Stadtgeschichte der DDR. Bis 1988 wuchs die Einwohnerzahl auf rund 53.000 Menschen an. Der nach 1990 erfolgte gesellschaftliche Strukturschock bewirkte einen gravierenden Bevölkerungsrückgang um etwa 20.000 Einwohner. Trotzdem bestimmt weiterhin das Stahlgeschäft die Geschicke der Stadt. Das EKO ist heute im Besitz eines der größten Stahlunternehmen der Welt, dem Konzern ArcelorMittal.

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Das Museum

Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR

Das Dokumentationszentrum wurde 1993 als Museum für die Alltagsgeschichte und Alltagskultur der DDR gegründet. Es zeigt eine Dauerausstellung und thematische Sonderausstellungen. Neben der Funktion als Ort des „sozialen Gedächtnisses“ versteht sich das Dokumentationszentrum als Forum der politischen Bildung, der Erforschung der materiellen DDR-Kultur und als Schnittstelle des Austausches zwischen Bildungs-, Forschungs- und Museumseinrichtungen. Der Sammlungsbestand des Museums umfasst gegenwärtig etwa 100.000 Objekte, Dokumente, Fotos sowie Zeitschriften und Bücher. Darüber hinaus werden Zeitzeugen betreut und ihr Wissen aufgezeichnet.

Kontakt:
Dr. Andreas Ludwig

Postanschrift:
Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR
Erich-Weinert-Allee 3
15890 Eisenhüttenstadt

Telefon: (03364) 417355
Email: ludwig(at)alttagskultur-ddr.de

Weitere Informationen unter: http://www.alltagskultur-ddr.de

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Objekte / Dokumente / Bilder

Wahlplakate und Flugblätter (bitte anklicken)

Die letzten Wahlen in der DDR – 18. März 1990

Eine Zäsur der Wendezeit, die zugleich ihr Ende markiert, sind die letzten Wahlen in der DDR. Am 18. März 1990 traten insgesamt 24 Parteien, politische Vereinigungen und Listenvereinigungen zu den ersten freien Volkskammerwahlen an. Insgesamt waren 12,2 Millionen wahlberechtigte Bürgerinnen und Bürger der DDR aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Die Wahlbeteiligung war wie zu besten SED-Wahlzeiten mit 93,39 Prozent sehr hoch. Im Vorfeld gab es im Hinblick auf die Erfahrungen mit den bislang stattgefundenen Wahlen in der DDR den Verdacht, dass die Wahllisten erneut manipuliert werden könnten. Doch die Organisation der Wahl, die Zusammensetzung der Wahlkommissionen  und die Arbeit der Kontrollgremien sorgten dafür, dass diese Wahlen nicht mehr manipuliert werden konnten.

Der überraschende Sieger war die konservative „Allianz für Deutschland“. Unter ihrem Dach errangen die Christdemokraten (CDU), die Deutsche Soziale Union (DSU) und der Demokratische Aufbruch (DA) mit 47,8 Prozent der Stimmen einen klaren Wahlsieg. Für die Sozialdemokraten (SPD) stimmten 21,8 Prozent und 16,3 Prozent der Wähler gaben ihre Stimme der Nachfolgepartei der SED – der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS). Die Liberalen erzielten 5,3 Prozent der Stimmen. Zu den Verlierern der Wahlen gehörten die Bürgerbewegungen der friedlichen Revolution vom Herbst 1989: Das „Bündnis 90“ des „Neuen Forums“, der Bewegung „Demokratie Jetzt“ und der „Initiative Frieden und Menschenrechte“ erhielten enttäuschende 2,9 Prozent der Stimmen, die Grünen und der „Unabhängige Frauenverband“ kamen gemeinsam auf nur 2 Prozent der abgegeben Stimmen.

Doch wer kennt heute noch alle Parteien, Vereinigungen und Listenvereinigung der letzten Volkskammerwahlen der DDR? Wie lauteten die Wahlversprechen? Welche Programme wurden vorgestellt? Wie präsentierten sich die verschiedenen Parteien und Bewegungen? Das Dokumentationszentrum in Eisenhüttenstadt verfügt über eine umfangreiche Sammlung der Plakate, Flugblätter, Klebezettel und Zeitungen des Wahlkampfes und der Wahlen im März 1990.

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Zwischen Mangel und Improvisation

Elektrische Rasenmäher waren in der DDR absolute Mangelware, die im Transformatorenwerk Berlin-Oberschöneweide im Rahmen der „Konsumgüterproduktion“ gebauten „Trolli“-Geräte waren viel zu selten erhältlich. Deshalb gehörten Rasenmäher zu den typischen Objekten im Eigenbau.  Im Bestand des Dokumentationszentrums befindet sich ein selbstgebauter Rasenmäher. Gebaut wurde er von einem polytechnisch kompetenten Tüftler, der zu DDR-Zeiten im Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) Oberschöneweide in Berlin gearbeitet hatte. Für den Bau des Mähers nutzte der Bastler einen ausrangierten Motor aus dem RAW, ursprünglich wahrscheinlich Teil einer Berliner S-Bahn,  und das Untergestell eines alten Kinderwagens, den er im Müll einer Kleingartenkolonie gefunden hatte. Der Rasenmäher symbolisiert auf anschauliche Weise, wie die DDR-Bevölkerung mit Improvisationskunst dem allgegenwärtigen Mangel im real existierenden sozialistischen Alltag begegnete.

Im Hinblick auf das Jahr 1990 sind die im Dokumentationszentrum überlieferten Objekte unter anderem im Hinblick auf die Wirkungen der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion vom 1. Juli 1990 von Interesse. Durch die Einführung der D-Mark verloren viele Gegenstände der materiellen DDR-Kultur buchstäblich über Nacht ihren Wert. Mit den im Dokumentationszentrum gesammelten Objekten der achtziger Jahre ist es möglich, den 1990 erfolgten gesellschaftlichen Strukturschock zu vermitteln und zu erklären.

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Der praktische Einkausbeutel für unterwegs

Als Mitte der neunziger Jahre in dem vom NDR produzierten „Polizeiruf 110“ der Schauspieler Kurt Böwe als alter Kriminalkommissar mit DDR-Biographie immer mal wieder mit einem Einkaufsbeutel in der Hand seinen Tatermittlungen nachging, da tauchten bei einigen Zuschauern sicher wieder Erinnerungen auf. Der praktische Einkaufsbeutel aus Kunstfasern gehörte vor 1989 zur Standardausrüstung der DDR-Konsumenten. Wer konnte damals in der täglichen Mangelwirtschaft schon wissen, wann es wo wieder gerade was zu kaufen gab. Für den Fall der Fälle musste die Käuferschar „gerüstet“ sein – mit einem praktischen Einkaufsbeutel. Ein Stück DDR-Konsum (oder Versorgungs-) geschichte.

Einkaufsbeutel waren aus „Dederon“ (Kunstfaser aus Polyamid). Sie wurden fabrikmäßig hergestellt oder aus Stoffresten und alten Kittelschürzen selbst genäht. Eine Alternative waren  sogenannte Mininetze oder gar Einkaufsbeutel geknüpft  aus Paketschnur oder verschlissenen „Dederon“-Strümpfen.

Heute greifen die meisten wie selbstverständlich an der Kasse zu den Tragetaschen oder sie lassen sich die Waren großzügig einpacken bzw. „gut verpackt“ gar ins Haus liefern. Diese „Verschwendung“ gab es in der geplanten Verteilung des Mangels zu DDR-Zeiten nicht. Nun ja, die ökologisch bewussten Jetzt-Konsumenten der Markwirtschaft haben das inzwischen wieder für sich „entdeckt“ und sind stolz auf ihr bewusstes Konsumentenverhalten, aber „erfunden“ haben es andere.

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