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Brandenburg/Havel

Der Ort

Die Stadt Brandenburg hat eine mehr als tausend Jahre alte Geschichte. Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts gab es auf beiden Seiten der Havel die „Altstadt“ und „Neustadt“ als selbstständige Städte. Friedrich Wilhelm I. ordnete 1715 schließlich deren Vereinigung an. Mit der Industrialisierung vollzog sich der für die Zeit typische urbane Aufschwung. Brandenburg entwickelte sich zur Industriestadt. Von 1840 bis 1910 stieg die Bevölkerungszahl von mehr als 14.000 auf 54.000 Einwohner an. In der NS-Zeit (1933-1945) wurde die Havelstadt zur Rüstungsschmiede (Flugzeug-, Panzer- und Fahrzeugproduktion) ausgebaut. Zu den Schattenseiten der Geschichte der Stadt gehört deren Rolle im NS-Euthanasieprogramm (9.000 Ermordete) und im NS-Repressionssystem (Zuchthaus: 1.700 Opfer). Luftangriffe und schwere Bodenkämpfe richteten in Brandenburg bei Kriegsende zum Teil schwer Zerstörungen an. Nach der Gründung der DDR wurde die Stadt zu einem Zentrum der Schwerindustrie (Stahl- und Walzwerk). Im Jahre 1988 zählte Brandenburg fast 94.000 Einwohner und stand kurz vor dem Aufstieg zur Großstadt (100.000 Einwohner). Nach der deutschen Vereinigung wirkten sich die schwierige Wirtschaftslage und der allgemeine Strukturwandel nachteilig auf die Bevölkerungsentwicklung aus. Heute leben rund 73.000 Menschen in der Havelstadt, die zu einem der vier Oberzentren des Landes Brandenburg gehört.

http://www.stadt-brandenburg.de

Das Museum

Museum im Frey-Haus

Seit 1923 befindet sich das Stadtmuseum im „Frey-Haus“ in der Altstadt. Die Bezeichnung geht auf einen Erlass (1751) Friedrich II. zurück, der das 1723 erbaute Gebäude von allen „bürgerlichen Steuern“ befreite. Zuerst wurde das Haus von den Regiments-Kommandeuren des in Brandenburg stationierten Infanterieregiments Nr. 36 bewohnt, später befand sich dort eine Orgel- und Spinettfabrikation und 1912 erwarb der Spielzeugfabrikant Lehmann das Gebäude. 1936 wurde das Frey-Haus von den Erben Lehmanns der Stadt Brandenburg übereignet. 1939 kamen die Sammlungen/Museumsbestände des Historischen Vereins Brandenburg an der Havel ebenfalls in den Besitz der Stadt Brandenburg. Die Sammlungstätigkeit des Museums umfasst die gesamte Stadt- und Regionalgeschichte. Gegenwärtig wird die Sammlung zielgerichtet auf die Zeit nach 1989 ausgeweitet.

Kontakt:
Gudrun Bauer; Heidrun Janz

Postanschrift:
Museum im Frey-Haus
Ritterstraße 96
14770 Brandenburg an der Havel

Telefon: (03381) 584501 // Fax: (03381) 584504
Email: museum(at)stadt-brandenburg.de; gudrun.bauer(at)stadt-brandenburg.de; Heidrun.janz(at)stadt-brandenburg.de

Weitere Informationen unter: http://www.stadt-brandenburg.de

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Objekte / Dokumente / Bilder

Das Informationsblatt „Frage-Zeichen“

In der Industriestadt Brandenburg waren – wie in vielen anderen industriellen Ballungsgebieten der DDR auch – die Umweltprobleme in den achtziger Jahren unübersehbar. Doch die Umweltbelastungen wurden nicht öffentlich thematisiert. Umweltdaten unterlagen der staatlichen Geheimhaltung. Während die Westmedien breit und kontrovers über die Problematik berichteten, schwiegen sich die Medien in der DDR über Smog, Gewässerbelastungen, Atomkraft und Luftverschmutzung aus. Die sich für Umweltfragen engagierenden Bürger wurden kriminalisiert und von der Staatssicherheit eingeschüchtert. Die Kirche bot Schutz und Möglichkeiten für eine unabhängige Friedens- und Umweltbewegung. In Brandenburg bildete sich im November 1983 ein kirchlicher Friedensarbeitskreis  unter dem Motto „Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“. Zu den Begründern des Friedensarbeitskreises gehörte Erhard Gottschalk, der aktiv an der Herausgabe des Informationsblattes “Frage-Zeichen“ der Kirchengemeinde beteiligt gewesen war. Das Blatt befasste sich vor allem mit Themen über Frieden, Abrüstung und mit Umweltfragen.  Letztere erlangten in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre immer größere Bedeutung, sodass 1988 der Friedensarbeitskreis die Gründung einer eigenständigen Umweltgruppe initiierte. Bei den Kommunalwahlen im Mai 1989 war die Umweltgruppe aktiv präsent. Auf Transparenten forderte sie unter anderem die Offenlegung von Umweltdaten. Dem Museum im Frey-Haus hat Erhard Gottschalk zwei Ausgaben des Informationsblattes „Frage-Zeichen“ für die Sammlung übergeben.

Biografie - Erhard Gottschalk

Erhard Gottschalk wurde 1947 in Chreuzburg/Thüringen geboren. Von 1965 bis 1970 studierte er Mathematik an der damaligen  TH Magdeburg. In die Stadt Brandenburg kam er 1970 und arbeitete dort bis 1992 im EDV-Bereich des Stahl- und Walzwerkes. In der evangelischen Kirche engagiert er sich seit 1980 und hatte verschiedene Funktionen inne. Heute ist er Kreiskirchenrat. E. G. gehörte dem kirchlichen Friedenskreis an und war 1987 Gründungsmitglied der Fachgruppe Ökologie beim Kulturbund. Im Herbst 1989 wurde er Mitglied beim Neuen Forum. E. G. war 1990 Mitglied des Umweltausschuss von Bündnis 90/DIE GRÜNEN. Später arbeitete er im Finanzausschuss der Stadt und war zwischen 1993 und 1998 Fraktionsvorsitzender der Bürgerliste. Seit 1992 ist E. G. Verwaltungsleiter in der diakonischen Einrichtung „Wohn- und Werkstätten ‚Theodor Fliedner’ in Brandenburg.

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Demokratie, Umwelt und die Kommunalwahlen vom Mai 1989

Mit einer sehr direkten Botschaft forderten Mitglieder der Brandenburger Umweltgruppe die Bürger der Stadt am 7. Mai 1989 dazu auf, Zivilcourage zu zeigen, Demokratie zu wagen und sich für den Erhalt der Umwelt stark zu machen. Zudem beobachteten die Mitglieder des Friedensarbeitskreises sehr genau die öffentliche Auszählung der Wahlzettel. Ihr Fazit lautete auch in Brandenburg – Wahlfälschung.

O-Ton:  E. G. beschreibt die Bedeutung des Jahres 1989 für sich selbst und erinnert sich an die Kommunalwahlen vom Mai, die Gründung des Brandenburger „Neuen Forums“ und an die Demonstrationen in der Stadt.

O-Ton:  In Brandenburg setzt sich das „Neue Forum“ aktiv im Spätherbst 1989 dafür ein, um die Vernichtung der Akten durch die Staatssicherheit zu verhindern.  E. G. berichtet über die Aktion.

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Jacke des Puppenspielers Wolfgang Rudolph
Dem bekannten Brandenburger Puppenspieler Wolfgang Rudolph konnte schon vor der Wendezeit jeder ansehen, welche oppositionelle Überzeugung er hatte und was er am DDR-Staat kritisierte. Mit dieser Jacke bewegte er sich in den achtziger Jahren durch die Stadt und demonstrierte damit in aller Öffentlichkeit für Frieden und Menschenrechte. Zugleich symbolisiert diese Jacke auch ein Stück Brandenburger Kultur- und Kunstszene. Das Brandenburger Theater bot beispielsweise in der Wendezeit den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt die Möglichkeit über aktuelle kommunale und politische Themen zu diskutieren. Vor den Aufführungen der Theaterstücke oder vor Veranstaltungen wurden dem Publikum die jeweils aktuellen Aufrufe des „Neuen Forum“ verlesen.

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Biografie -  Wolfgang Rudolph

Wolfgang Rudolph wurde 1945 geboren. Er wuchs in Brandenburg auf und legte dort sein Abitur ab. Ein Theologiestudium kam danach nicht zustande, weshalb er als Hilfspfleger im Krankenhaus der Stadt zu arbeiten begann. Später qualifizierte er sich zum Krankenpfleger und übernahm die Ausbildung des Pflegepersonals. Mehr und mehr widmete er sich dem Puppenspiel und wurde in den achtziger Jahren zum  stadtbekannten Puppenspieler. Wolfgang Rudolph geriet aufgrund seiner kritischen Sicht frühzeitig in Konflikt mit der DDR-Staatsmacht. Er war bei allen kirchlichen Friedens- und Umweltaktivitäten in Brandenburg dabei. Welche Rolle er in der Wendezeit in der Bürgerbewegung spielte, wird unter anderem daran erkennbar, dass ihn die Staatssicherheit auf die Liste derjenigen gesetzt hatte, die im „Ernstfall“ in einem Isolierlager interniert werden sollten.

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